Verfasst von: turboluke | 5. Juni 2010

Grillfest!

Ja WAHNSINN! Was ein Tag. Was ein Ausverkauf. Man könnte passend zum herrlichen Wetter draußen auch sagen: Sämtliche Bullen wurden am gestrigen Freitag gegrillt! Was gestern passierte, ist äußerst alarmierend! Aber, fangen wir von vorne an. Was war passiert?

Die Indizes bewegten sich bis Mittwoch relativ zügig in Richtung MA200 und wurden 2x abgewiesen. Am Donnerstag der letzte Versuch, doch anstatt dynamisch darüber zu marschieren, bildete sich eine Narrow-Range Doji-Bar, die nichts anderes aussagt, als das Bullen und Bären in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen. Dennoch: Das Momentum war auf Seiten der Bullen und ich hatte gute Hoffnung, dass es die Indizes schaffen könnten. Die Gefahr, und darauf weise ich seit Wochen hin, war aber, dass der Euro die Unterstützung bricht. Es bildete sich aber ein Keil im Euro und auch hier war die Möglichkeit groß, dass er nach oben aus dem Dreieck bricht. Das wäre DAS Bullensignal schlecht hin. Leider kam es anders. Am Freitag hatte ich frei und konnte die Kursbewegungen live miterleben. Ich war am Vormittag long positioniert und hatte – als der Future im SPX die 1107 Punkte (altes Hoch) kurz durchbrochen hatte gar nachgelegt. Und dieses Nachlegen war aus heutiger Sicht derart dämlich, dass man sich am liebsten selbst in den Allerwertesten treten möchte. Der drohenden Gefahr des Euro bewusst – ich hatte ja selbst so oft drauf hingewiesen – lege ich nochmal ein Paar Kohlen nach. An solchen Punkten MUSS ein guter Trader auf Sicherheit spielen und das Risiko rausnehmen. Ich dagegen legte nach. Ein Fehler der wirklich teuer war, zumal ich später als gewollt ausgestiegen bin – wahrscheinlich weil ich die Bewegung nicht wahrhaben wollte. Wie hybnotisiert saß ich vorm Rechner. Das schöne war aber trotzdem, dass mir die neue Plattform diese Anfängerfehler schnell verzeiht, denn ich war mit Entry-Orders für die Down-Richtung voll ausgestattet. Sowohl im Euro als auch im SPX. Und so wurde ich nach und nach auf dem Weg nach unten in neue Short-Positionen eingestoppt, 3x insgesamt im SPX und 2x im Euro. Ich fahre nun mit der maximal zulässigen Position im short Zug. Würde ich Zertifikate handeln, säße ich heute mit großer Wahrscheinlichkeit auf Verlusten. So habe ich ein gutes Plus mitnehmen können am Freitag. Das nebenbei.

Die Frage, die sich für mich nach einem solchen Tag stellt: War’s der Start oder war’s das Ende? Oder war es der Start vom Ende? 😉

Wir müssen zusammenfassen: Die Indizes haben es trotz 3 Versuchen nicht geschafft den extrem wichtigen MA200 zu brechen. Der ein oder andere wird lachen, aber dieser Moving-Average ist äußerst wichtig, denn er wird selbst vom dümmsten Kleinanleger, der sich die Aktientipps aus Zeitschriften holt, beachtet. Das Scheitern ist extrem bearish zu werten. Das kann man nicht laut genug sagen. Hinzu kommt, dass sämtliche Indizes im MACD 12,26,9 auf Tagesbasis am Donnerstag ein klares Einstiegssignal lieferten. Auch dies ist so ein Signal. Alle, die diesem Signal am Do folgten, reiben sich verwundert die Augen und genau hier fängt die Gefahr für die Märkte nun an. Wenn der Verfall nicht schon zu Anfang der nächsten Woche gestoppt wird, kommt Panik auf, denn der Mut wird eben diese Anleger nach und nach verlassen. Wir bekommen Crash-artige Zustände sollten die 1040 nicht halten. Davon bin ich überzeugt.

Es gibt ein bemerkenswertes Detail des gestrign Freitags. Ich will es euch nicht vorenthalten:

Den Chart habe ich mir von meinem Traderkollegen John (JMan) geborgt, weil mir als nicht zahlender User von Stockcharts die Balkendiagramme nicht möglich sind. Der große rote Balken ist eine halbe Sensation. Wir haben 119:1 Down-Volumen gehabt. Das ist Rekord! Ratet mal wann das letzte Mal ein ähnliches Down-Volumen herrschte. Richtig. 2007, als der Bärenmarkt vor der Tür stand. Da erreichte die Volumenkerze aber „nur“ ein Verhältnis von knapp 80:1 down. 

Normalerweise sind solche Ausverkaufstage ein Zeichen der Kapitulation. Bullen verlieren den Glauben und steigen wieder aus. Ein gutes Einstiegssignal. Vergleicht es mal mit den Lows aus 2009. Zu jedem Low gab es ein deftiges Down-Volumen. Ein Abschütteln der „zu früh kommer“, ist hierfür wie ihr wisst meine Bezeichnung. Hier aber gibt es in den letzten Wochen derart viele Down-Volumen Kapitualtionstage, dass man sich als Bulle größte Sorgen machen sollte. Wir haben sie eingekreist. Zudem kreuzen alle wichtigen langfristigen Moving-Averages wie im Chart zu sehen ist. Es gibt nicht viel Gutes was ich diesem Chart abgewinnen kann. Vielleicht seht ihr was. Ich sehe nichts.

Das Witzige am Freitag war, dass die Presse gleich wieder eine „plausible Begründung“ für den Verfall lieferte. Die bösen Ungar waren’s. Ja klar, plötzlich sollte durchgesickert sein, dass eine eigentlich alte Meldung über Ungarns Staatsfinanzen den Euro belastet. Wie dämlich! Wenn jemand dagegen hielt und entgegnete, dass Ungarn gar nicht den Euro hat, wurde nach länger Pause erwidert, sie bräuchten ja doch Gelder des IWF und da wäre Europa ja doch betroffen. Oh man, da fällt mir nichts mehr dazu ein. Der einzige Grund ist der Fall des alten Lows im EUR/USD-Währungspaar. Charttechnik wenn man es auf den Punkt bringen möchte. Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen.

Ich habe vor einem Monat, als die Bärenparty begann, geschrieben, dass die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung an den Börsen vorbei ist. Nachrichten von angeschlagenen Staatskassen machen die Runde. Es fing an mit Griechenland, zwischendurch machte es einen Umweg über Spanien und Portugal und heute sind wir in Ungarn gelandet. Wie auch immer. Die Bankenkrise hat gelehrt: Sollte sich tatsächlich ein neuer Bärenmarkt etablieren, wird er erst gelöst sein, wenn die Probleme rund um Staatsfinanzen gelöst sind. Und das wird nicht von einem aufs andere Jahr passieren wie bei den Banken. Erinnern wir uns: Los ging es mit einer Bank namens Bear Stearns (kennt heute kaum noch jemand – alle sprechen über Lehman). Am Low im März 09 vermeldeten die Banken das erste Mal dank eines neu zulässigen Tricks in den Bilanzierungsregeln riesige Gewinne. Das Thema Bankensterben war damit vom Tisch und der Bullenmarkt begann. Jessy Livermoore nennt diese Punkte Inflection Points. Ich kann euch sein Buch nur ans Herz legen.

Ich glaube jedenfalls. Hier wird die Story „Staatspleite“ gespielt. Das Spiel wird erst vorbei sein, wenn den Spielern klar wird, dass Staatspleiten nicht mehr möglich sind. Wenn der Anstieg seit Low im März als Bear-Market-Rallye gelesen wird, wird vieles klarer. Wie seht ihr das?

Gruß!

TL

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Responses

  1. Hi Luke,

    Klasse Abhandlung und Einschätzung des Marktes. Echt TOP!!! 🙂

    Jetzt ist wieder Bewegung entstanden 😉 …nur
    welcher Bereich ist größer, der Bereich der Verkäufer oder der Käufer? Liquidität oder Marktteilnehmer?

    Ich bin gespannt 🙂

    Gruss
    Heiko

  2. Hi Luke, für mich ist das mometan ein Seitswärtsmarkt, beim DAX schätze ich die Range auf 5550 – 6200 ein. Hier wird es mMn bis zum Spätsommer hin und her gehen um dann ab September wieder in den „Bullenmodus“ über zu gehen.

    Schönes WE

    Ivan


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