Verfasst von: turboluke | 2. Januar 2010

Handelssysteme Teil 3: Psychologie

Ich könnte auch schreiben: Meine wichtigste Lektion aus 2009.

Der Grund warum ich kürzlich beschloss wieder zurück zum Handel nach klaren, neutralen Signalen zu kommen, war der Verlauf der Märkte in 2009 und meiner fest zementierten Meinung, die ich Anfang des Jahres hatte: „Es muss fallen, weil die Fundamentals grottig sind.“ Der Punkt aber ist: Wir sehen genau das, was wir sehen wollen. Wenn wir uns einen Chart anschauen, der einen Verlauf der letzten Zeit darstellt, dann gehen wir nicht neutral an diesen Chart, sondern haben uns bereits vorher schon eine Meinung darüber gebildet, weil wir z.B. in den Medien negative Nachrichten lesen. Heute könnte ich lachend über den Marktverlauf 09 sagen: „Wenn die Todesmelodie der Märkte ertönt, kaufe! Mach die Zeitung zu, und komme ein halbes Jahr später wieder wenn die Erntezeit gekommen ist.“

Und glaubt mir. Es ist nicht schwer die Indikatoren so hinzubiegen, dass derselbe Chart, der noch zuvor extrem positiv ausgesehen hat, nun plötzlich nach einem halben Weltuntergang aussieht. Das ist die Gefahr der technischen Analyse. Unser Kopf hat sich das Bild bereits im Vorfeld gezeichnet und abgelegt. Was wir sehen ist, was wir glauben zu sehen.

Genau in diese Falle bin ich in 2009 getappt. Ich war stets der Ansicht, dass der Anstieg rein technisch war und habe den Express an einer der ersten Stationen bereits verlassen ohne zu wissen, dass eine kleine Weltreise ansteht. Wie konnte ich das denn wissen? Richtig. Ich konnte es nicht wissen. Niemand konnte es wissen. Mein System aber hat mich darauf hingewiesen, dass es richtig wäre wieder einzusteigen. Ich tat es nicht, weil meine Meinung stärker war, die mir meine Flexibiltät geraubt hat. Den fahrenden Zug zu verpassen, tut mindestens genau so weh wie einen größeren Verlust zu realisieren. Deshalb braucht es beim Handel eine Methodik und genau deshalb bin ich wieder nach einer selbst verordneten Therapie wieder zurück beim Systemhandel angekommen, auch wenn zunächst nur Signale befolge, die eine hohe Quote erzielt haben.

Der Vorteil des Systemhandels liegt bei der neutralen Marktbetrachtung, die Hilft den Blick zu öffnen. Unsere Aufgabe ist es sich nicht dagegen zu stellen. Ich gehe niemals short wenn meine Systeme long anzeigen. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen dagegen bin, bleibe ich neutral. Das ist mein Weg.

Eine weitere Methode, die ich anwende, um der Gefahr des geistigen Auges aus dem Wege zu gehen, ist folgende: Ich betrachte den Chart einmal mit meinem bullischen Auge, danach mit meinem Bärischen und versuche die Argumente gegeneinander aufzuwiegen. Das schützt natürlich nicht vor einer falsche Schlussfolgerung, dennoch hilft es beim nächsten Trade nicht „alles auf rot“ zu setzen wenn du auch siehst, dass auch schwarz kommen kann. Es fördert die Disziplin sich an seine MoneyManagement Strategie zu halten.

In diesem Sinne: Augen offen halten!

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Responses

  1. Wie immer sehr interessant und informativ!
    Super Arbeit!

    LG,
    Odolando

  2. very nice article, glad to have come across it, via an interesting trading / dialog type site, the „circle community“

  3. Gut geschrieben. Du hattest Recht mit Deiner Markteinschätzung „Die Märkte wollen nach oben“. Ich habe mit einem DAX über 6000 Punkten nicht gerechnet.

    Bin mal gespannt auf Deinen nächsten „Market Call“

    LG

    Ivan

  4. Danke, Ivan.
    Um aber ehrlich zu sein, wurmt es mich doch nicht dabei zu sein bei der letzten Sause. Wäre einfach das saisonale Muster zu spielen. Habe selbst drauf hingewiesen mich dann aber von den vielen Gaps abschrecken lassen. Vielleicht auch besser so. Man muss nicht auf jeder Party tanzen.
    Bei 1145 ist Schluss im SPX.

  5. Hey Turbo!!!

  6. Woher nimmst Du die 1145 ?

  7. Elliott Wave Theorie. Die derzeitige Welle C wäre gleich lang mit A. Will mich darauf nicht festnageln lassen. Es ist ein Bereich zw. 1145 und 1160. Muss man sehen. Werde es aber wie immer nicht traden. Nur Schwachköpfe versuchen das Top zu erwischen.


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