Verfasst von: turboluke | 28. Dezember 2009

Das vergessene Spiel von Angebot und Nachfrage

DAX bei 6000 konnte ich gerade den Abendnachrichten entnehmen. Im Videotext steht’s auch – und auf Bild.de! Wow! „Der DAX steht heute höher als vor der Lehman Pleite“ ist überall zu vernehmen. Ein wichtiger Hinweis. Lehman, was war das nochmal? Stimmt, dieses Bankhaus, das viele leichtgläubige Anleger um die Früchte des Lebens brachte. Aber wir dürfen froh sein. Wir sind alle heilfroh, dass wir in den Nachrichten endlich den Grund für den Fall der Aktienmärkte wissen. Lehman wars! Lehman – obwohl pleite – hat alle Indizes in den Keller gedrückt. Wie von Zauberhand. Ach so. Und ein knappes halbes Jahr später haben alle von einem Tag auf den anderen Lehman vergessen und plötzlich ist es wieder gestiegen.

Immer mehr wenn ich in den Foren, Gazetten und sonstigen Medien unterwegs bin, merke ich, dass vor lauter Kurszahlen und (gerne jetzt zum Jahresende) Kurszielen vergessen wird, wie so ein Preis überhaupt zu stande kommt. Es ist die Findung eines Käufers und Verkäufers, die sich zu einem Preis einigen konnten und den Handel vollziehen. Wie kann dann ein Preis steigen oder fallen? Ganz einfach, weil einer der beiden i.d.R. einen kleinen Fehler macht. Davon lebt Börse. Gewinnen und Verlieren. Ein Käufer hat ein derart starkes Kaufinteresse, dass er bereit ist den Preis, der im BID steht, bei dem also ein Verkäufer bereit ist seine Papiere abzugeben, zu bezahlen. Im Augenblick des Geschäftes ist nicht ersichtlich wer den Fehler macht. Für die beiden, die die Transaktion durchführen, ist die Sache aber klar: Es ist der andere! 

Es ist ein Drang oder Druck, der den Käufer treibt den höheren Preis zu akzeptieren, weil er aus irgendwelchen Gründen das Papier unbedingt haben will, oder eben der Druck verkaufen zu müssen und die Papiere zum Verkauf anzubieten. Das ist natürlich in umgekehrter Richtung genau so. Und so bewegen sich die Preise rauf und runter – schön zyklisch und munter. Und genau deshalb ist es so dämlich DAX-Stände für Ende 2010 anzugeben oder für morgen 10:31 Uhr. Wer soll wissen wie sich die Käufer und Verkäufer von gleich 30 Unternehmen zusammenfinden?

Wie kann ein Spekulat trotzdem von Bewegungen profitieren? Ganz einfach, weil die Börse meiner Ansicht nach ein Spiel der Massenpsychologie ist. Angebot und Nachfrage lassen sich zusammenfassen in einem Chart samt Volumendaten. Man kann beobachten bei welchen Kursen viele Tauschgeschäfte stattfanden, wann Kurse in Bewegung kamen, wann ins Stocken. Jede Chartanalyse sollte das Ziel haben dieses Spiel von Angebot und Nachfrage aufzudecken. Kurse kommen beispielsweise bei Überwinden von Widerständen oder Unterstützungen in Schwung, einfach aus dem Grund weil es Leute gibt, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden und Stop-Loss Order (Market!) ausgelöst werden oder weil das Depot blutrot geworden ist und der Anleger derart nervös, dass er jeden Kurs akzeptiert nur um nicht noch mehr Verluste erleiden zu müssen. Wem kommt das bekannt vor? 😉

Schauen wir uns also mal 2-3 Charts an, denn ich bin heute der Ansicht, dass der Kaufdruck spürbar nachgelassen hat. Ich möchte auch gleich erklären warum. Hier der erste Chart:

Quelle: freestockcharts.com

Wie zu sehen ist, lässt das kumulierte Aufwärtsvolumens seit ca. 2 Monaten spürbar nach. Es ist also so, dass Käufer nicht mehr den Druck haben unbedingt einsteigen zu müssen, und jeden (also den BID-) Preis akzeptieren. Scheinbar ist es so, als warten viele auf eine Korrektur. Verständlich nach einem Plus von über 50% seit dem Low vom März. Wer hat noch den Drang unbedingt einsteigen zu müssen, weil sonst die Rallye verpasst wird? Ich nicht. Im Gegenteil. Viele andere wohl auch. Hier der nächste Chart, der es untermauern soll:

Quelle: stockcharts.com

Insbesondere lohnt der Blick auf die grünen und roten Volumenkerzen: Während zu Beginn der großen Bewegung das Verhältnis von Aufwärts zu Abwärtsvolumen teilweise 40:1 war, d.h. also der Kaufdruck extrem hoch war, reichen die Kerzen seit November nur noch bis maximal 5:1 als wäre ein Deckel drauf. Dagegen ist zu sehen, dass die Abwärtsvolumenkerzen immer größer werden, je weiter die Rallye anhält. Die Verkaufspanik nimmt folgegemäß zu –  je höher der Index wandert weil die Hände schlicht zittriger werden wie es Kostolany formulieren würde.

Das ist übrigens auch der Grund warum es nicht wie an der Schnurr gezogen immer in eine Richtung gehen kann. Irgendwann haben die Makrteilnehmer keinen Druck mehr unbedingt einzusteigen und nachdem die ersten anfangen auszusteigen, steigt der Druck auf die anderen auch aussteigen zu müssen weil die Preise anfangen zu fallen. Das geht so lange bis der Verkaufsdruck wieder gestillt ist und so weiter, und so weiter. Zu erkennen wann die Herde die Richtung dreht – das ist die wahre Kunst des Spekulierens! Angebot und Nachfrage. Mehr ist es nicht.

Eine Angenehme Woche noch an diesem – wie ich glaube wichtigen 28.12.2009. Die Tageskerze sieht bis jetzt 21.25 Uhr so aus als wären wir ausgetoppt…

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Responses

  1. Was noch viel wichtiger ist als das Vergessen vom Spiel von Angebot und Nachfrage: Die Börse ist ein Nullsummen-Spiel. Will heissen, dass aus volkswirtschaftlicher Sicht absolut keine Wertschöpfung generiert wird. Das war vor Lehman so und ist auch nach Lehman so. Bedenklich!

  2. Volle Zustimmung. Noch ein Punkt:
    Aktien verkommen in Phasen wie diesen zu reinen Kursänderungsobjekten. Sie sind eigentlich als Dividendenpapiere gedacht, die eine gewisse Rendite abwerfen. Wer schaut heute auf Dividenden?


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