Verfasst von: turboluke | 27. Dezember 2009

Weisheiten zum Market-Timing!

 Heute morgen, als ich noch halb schlafend und nichts ahnend die Online-Präsenz des Handelsblattes aufsuchte (der Moderne Mensch von heute schlägt ja keine Zeitung mehr auf!), durfte ich einen Artikel lesen, bei dem ich alle 3 Zeilen so loslachen musste, dass ich meine Freundin aufweckte. Darüber hat sie sich so gefreut, dass gleich der ganze Sonntag Vormittag verdorben war. In diesem Artikel springt der Autor, ein Hr. Weber, über ein Thema, das merkwürdigerweise alle Börsianer bewegt: Den „Markt schlagen“. Scheint wohl ein Ur-Trieb zu sein, zeigen zu müssen wie dick die eigenen… naja, lassen wir’s. Der Autor, wohl Hobby-Börsianer und Verfechter von Buy-and-Hold schreibt darüber derart ausgelassen, dass er statt den Markt sich alle zwei Zeilen selbst schlägt. Ich möchte mal einige „Glanzpassagen“ hervorheben:

  • „Börsenkurse folgen einem Zufallsprozess“
  • „Angesichts der noch unsicheren konjunkturellen Situation haben sich viele über diesen starken Trend gewundert.“
  • „Weltweit lehren praktisch alle Hochschulen, dass man am besten in eine Kombination aus einer sicheren und einer optimal diversifizierten riskanten Anlage investiert.“
  • „Hat der Anleger sein optimales Portfolio definiert […]“
  • Nach der Bildung des optimalen Portfolios sollten Kauf und Verkauf ausschließlich aus ökonomischen Gründen wie Liquiditätsbedarf, Portfolio-Rebalancing, Änderung der Risikoeinstellung bzw. Risikotragfähigkeit und Ähnlichem erfolgen.
  • Im Lichte der Buy-and-hold-Strategie ist das Leben einfach: Der Anleger braucht sich keine Gedanken über die Marktentwicklung zu machen.
  • Der Volatilitätsindex des Dax, der ein Maß für die erwartete Unsicherheit darstellt
  • u.s.w.

Der gute Hr. Weber meint, dass Börsenkruse einem Zufallsprozess folgen. Damit wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Tag morgen steigt oder fällt jeweils 50%. Wenn aber der heutige Tag ein negativer Tag ist, d.h. der Schlusskurs liegt unter dem Eröffnungskurs im Index, warum liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der morgige Tag steigt nun bei 58% statt 50%?  Wenn dann auch noch der heutige Tag ein Montag, oder ein Donnerstag ist und gestern negativ war, warum liegt die Wahrscheinlichkeit auf einen positiven Tag gleich schon bei über 70%?.

Was hat eine konjunkturelle Situation mit Trends zu tun?? Keine Ahnung wie man überhaupt darauf kommen kann diese zwei Dinge miteinander zu verknüpfen. Ich vermute mal, das nur Fachbegriffe im Artikel gefehlt haben, die der Chefredaktuer noch sehen wollte…

Was zum Henker ist ein optimales Portfolio und was hat das Anlegen im Aktienmarkt mit Imobilien zu tun, auf die der Autor im Artikel verweist? Buy-and-Hold wäre so einfach, weil man sich nicht die Mühe machen müsse den Markt zu studieren. Nun ja, der Mann ist genau deshalb Verlierer, eben WEIL er sich keine Gedanken über die Marktentwicklung macht. Und, um es genau zu nehmen: Der Volatilitätsindex ist ein Maß für die erwartete Schwankungsbreite. Ob das Unsicherheit ist oder nicht ist reine Interpretation.

Oder hier, ein ganzer Abschnitt:

„Zu Beginn des Jahrs 2009 verfügten die Anleger über relativ viel liquides Vermögen. [Stimmt. Relativ viel weniger als 2007, TL] So wurden beispielsweise 2008 in Deutschland über 30 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgezogen, und das obwohl die Einführung der Abgeltungsteuer zum Jahresbeginn 2009 eine starke Investition in Fonds nahegelegt hätte. [Der Satz ist so dämlich, dass ich besser nichts dazu schreibe! Abgeltungssteuer als Kaufgrund, Respekt! TL] Auch die ersten drei Monate des Jahres waren durch starke Abflüsse aus Aktien- und Mischfonds gekennzeichnet, was auf den Versuch von Market-Timing hinweist. Viele Gespräche von Anlegern drehten sich angesichts des außerordentlich geringen Zinsniveaus für sichere Anlagen um die Frage, wann der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg in die Börse gekommen sei.“

Was will uns der gute Mann damit sagen? Dass es besser wäre in 2008 in Aktien geblieben zu sein, weil 2009 ja eine Erholung einsetzte? Hat er zufällig vergessen, dass in 2008 der Dax 40% abgeben durfte und heuer nur 20% zugelegt hat? dass der DAX in der Spitze bei über 8150 lag und heute bei 6000? Dann aber, und da leuchten meine Augen auf, schreibt er:

„Vielleicht existiert hier und da mal eine Strategie, die eine kleine Überrendite zumindest temporär erzielt, aber als erste Annäherung gilt: Man kann den Markt durch Market-Timing nicht schlagen.“

Natürlich! Was man selbst nicht schafft, können andere auch nicht schaffen, Basta! Hr. Weber, diese Wette nehme ich an! Ich habe seit Jahren eine „temporäre Überrendite“ vorzuweisen und werde auch 2010 eine „temporäre Überrendite“ erzielen. Durch Market-Timing. Nichts anderes. Und für Ihren Artikel – bei allem Respekt: Setzen, 6!

Ich werde von nun an einen zentralen „Market-Call“ abgeben. Buy, neutral, sell, und lasse mich gerne anhand dieser Calls am Ende des Jahres messen. Für den DAX reichts, für Hrn. Weber sowieso. Top die Wette gilt!

PS: In einem Punkt hat Hr. Weber recht. Wer, wie er, keine Strategie besitzt, und nicht messen kann wann es ein- und wann auszusteigen gilt, der hält sich am besten raus aus den Märkten. Vor seiner „Kaufen und beten“ Stragtegie möchte ich aber dringend warnen!!

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Responses

  1. Du hast 2009 mit Deinen Market-Calls eine sehr gute Trefferquote erziehlt. Mach weiter so!

  2. Danke! Es war ein sehr interessantes Jahr und wir konnten wieder sehr sehr viel an wertvollen Erfahrungen mitnehmen. Heute verfüge ich über insgesamt 3 Modelle, die zusammen bei Einstimmigkeit einen „Call“ Auslösen. Ich habe bewusst verschiedene Berechnungsmehtoden verwendet, die jeweil in Trendmärkten oder in Seitwärtsmärkten besser performen um Fehlsignale zu minimieren. Für 2009 waren 6 Signale:

    15.1.:Sell
    18.3.:Buy
    18.6.:Sell
    16.7.:Buy
    28.10.:Sell
    11.11.:Buy

    Mal schauen wie es auf Aktien funktioniert. Dazu gibt es ein kleines Experiment in 2010

  3. Wenn ich mich nicht irre, geht es um den Artikel der von Hr. Prof. Dr. Dr.h.c. Weber geschrieben wurde. Ich habe mir den Herrn mal angeschaut und das sieht nicht unbedingt nach einem „Hobby-Börsianer“ aus…

    „Der gute Hr. Weber meint, dass Börsenkruse einem Zufallsprozess folgen. Damit wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Tag morgen steigt oder fällt jeweils 50%.“
    Falsch, einen langfristigen Trend schließt der Zufallsprozess nicht aus. Es kann also sein, dass durchschnittlich sagen wir 52% der Tage nach oben gehen.
    Selbst wenn du das mit den 58% weißt, heißt das ja noch nicht dass du damit besser als der Markt bist, wenn du jedesmal voll einsteigst wenns hoch ging…

    „Was will uns der gute Mann damit sagen? Dass es besser wäre in 2008 in Aktien geblieben zu sein, weil 2009 ja eine Erholung einsetzte? Hat er zufällig vergessen, dass in 2008 der Dax 40% abgeben durfte und heuer nur 20% zugelegt hat? dass der DAX in der Spitze bei über 8150 lag und heute bei 6000? Dann aber, und da leuchten meine Augen auf, schreibt er:“

    Von 2008 in Aktien zu bleiben steht doch gar nichts da drin!? Und wenn Abgeltungssteuer kein Kaufgrund ist, dann weiß ich es auch nicht mehr!!! Wann bekommst du denn quasi 33 Prozent zusätzliche Rendite wenn du kaufst???

    Also immer schön kühlen Kopf bewahren und erst mal überlegen bevor man loshetzt…

  4. Ein Abluss, welcher auch immer, macht einen Trabbi nicht gleich zum Porsche. Das sehe ich sowohl bei mir im Berufsleben aber das gilt umsomehr für die Börse. Schade, dass Sie Kostolany nicht mehr dazu befragen können, Herr Dr. Weber. Ich kenne so einige sehr gute Trader, aber nicht ein einziger davon hat Titel. Ich selbst habe einen Titel und gehöre damit schon zu den Ausnahmen im Börsengeschäft. Und ich zähle mich beileibe nicht zu der seltenen Spezies der guten Trader…

    Was macht wohl Ihr Portfolio heute wenn Sie in 2008 oder meinetwegen früher wegen der Abgeltungssteuer eingestiegen sind? Richtig, das „diversifizierte Aktienportfolio“ ist heute über 50% im Minus und versuchen Sie mal den Jungs vom Finanzamt beim Verlustvortrag zu erzählen, dass Sie 33% „Gratisrendite“ wollen.

    Ich glaube viel eher, dass die alten Herren, die heute von „Kaufen, unters Kissen legen und 20 Jahre später wieder verkaufen“ sprechen eher verpassten Gelegenheiten nachweinen, weil sie ihre eigene Performance nach hinten rechnen und feststellen, dass es besser gewesen wäre länger zu halten. Dabei übersehen sie aber, dass von 1980-2000 ein nie da gewesener Bullenmarkt herrschte, der nun mittlerweile aber leider vorbei ist oder aber mindestens scharf hinterfragt gehört. Die Leute haben Kostolanys Worte nie verstanden, denn als er den Spruch oben von sich gab, konnte er die damals gegebene wirtschaftliche Situation richtig einschätzen. Versuchen Sie doch einfach mal das Jahr herauszufinden, als Kostolany diesen berühmten Satz von sich gab…
    Die Einschätzung der Wirtschafts- und Kapitalentwicklung ist die wahre Kunst der Börse und die korrekte Einschätzung gelingt auch heute nur den Wenigsten und da hilft auch kein Titel als Argumentationshilfe.

    Nicht falsch verstehen, ich habe sehr großen Respekt vor Titeln, weil ich den Schweiss und die Arbeit dahinter selbst kenne und respektiere, aber an der Börse kommt es auf ganz andere Faktoren an!


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