Verfasst von: turboluke | 21. Dezember 2009

2009 – eine Abrechnung

da das Jahr dem Ende neigt ist es an der Zeit einen Rückblick auf das Vergangene zu werfen und ich möchte es tun, in dem ich meine eigenen Thesen bzw. Vermutungen im Ausblick auf 2009 diskutiere. Das Schöne an einem Blog ist ja, dass die eigenen Gedanken festgehalten werden und dass man wunderbar zurückblicken kann um zu erkennen, welche Gedankengänge man damals hatte und warum. Fangen wir an!

Hier ist der Ausblick auf 2009, geschrieben am 2. Januar ’09: https://turboluke.wordpress.com/2009/01/02/gedanken-zu-2009/

These 1: Das meiste Geld lauert auf der short Seite des Anleihenmarktes

In der letzten schweren Rezession / Depression haben sich die Unternehemsanleihen zwichen 1928 und 1932 ca. halbiert. Die derzeitige Rezession wird von den meisten Ökonomen als heftiger eingeschätzt, da die Verschuldung – gemessen am BIP- wesentlich höher ist. Deshalb werde ich Long-Positionen auf den Bund-Futre oder T-Bond nur konservativ behandeln, shorts dagegen handle ich agressiv. Fundamental bedeuten fallende Bond-Kurse einen steigenden Zins und das ist leider genau das, was ein schon stark verschuldetes Land oder Unternehmen nicht braucht. Ich sehe aufgrund dessen weiter Druck und Down-Potential in ALLEN Märkten. Die finanzpolitische Übermacht der Amerikaner schwindet und die Bereitschaft ihre Verschuldungspolitik zu finanzieren lässt derzeit deutlich nach. Eine negative Entwicklung auf den Bondmärkten kann eine Lawine auslösen, die die Fundamente des FinanzSYSTEMS unterwässern kann, die finanzpolitischen Mittel (vor allem Leitzinsen) sind heute nahezu ausgeschöpft. Daher dürfte es schwierig werden mit konventionellen Mitteln zu reagieren.

Ergebnis: Treffer! Der Chart unten belegt den tiefen Fall, der offensichtlich noch nicht gestoppt ist. Das Bewegungsmuter seit Juni ist klar korrektiv und es spricht Vieles dafür, dass hier noch Einiges an Ungemach droht. Auch wenn die Lawine noch nicht eingetreten ist, viel fehlt nicht mehr, mehr im Ausblick auf 2010

These 2: Wir werden ein Zinstief am „langen Arm“ (30-year Anleihe) sehen.

vielleicht haben wir diesen schon im Dezember 2008 gesehen. Fakt ist, die Dividendenrendite der Aktienmärkte ist bereits heute schon höher als die Rendite langläufiger Staatsanleihen (ca 3% Aktien vs 2,2% langlaufende Anleihen). Bondsmärkte haben an Attraktivität verloren. Das Kapital wird in höher verzinste Anlageformen wandern.

Ergebnis: Treffer! Na klar, wenn These 1 trifft, trifft auch These 2, da beides zusammenhängt. Für mich sieht das Jahr rückblickend so aus, als wäre das Geld aus den Anleihemärkten zurück in die Aktienmärkte, hier der Chart. Das Zinstief war tatsächlich im Dezember erreicht und sieg im Laufe des Jahres von 2,6% auf bis zu 4,8%.

These 3: Der Dollar dürfte weiterhin fallen

Dass der Dollar langfristig (Sicht >2 Jahre) schwach bleibt ist allein aufgrund der negativen Handelsbilanz der USA nicht schwierig zu progonstizieren (Dollars ohne Wertschöpfung!), kurzfristig aber hängt der Verlauf  meiner Ansicht nach von den Kapital Zu- und Abflüssen der Anleihemärkte ab. Das Ziel der „0%-Leitzinspolitik“ ist ohne Zweifel die weltweite Entwertung des US-Dollars und damit der Schulden der USA, die sich innerhalb der letzten Jahrzehnte im Ausland aufgetürmt haben. 

Ergebnis: Treffer! Der Dollar konnte Ende November/Anfang Dezember ein wichtiges Tief markieren. Für die Korrektur am Aktienmarkt war der Dollar neben den Aleihemärkten der zweite wichtige Antreiber durch CarryTrade Geschäfte. Hier der Chart:

These 4: Silber wird Gold outperformen

was nicht heißen soll, dass Gold fällt, im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass sich Gläubiger der USA (vor allem Japan & China) demnächst andere, „härtere“ Anlageforment suchen werden und aus dem US-Dollar flüchten

Ergebnis: Treffer! Treffer! und Treffer! Gold war zwar das Hauptthema dieses Jahr, aber Silber war wie erwartet noch eine Ecke stärker wie der Chart unten verdeutlicht.

These 5: Buffett’s Berkshire A Aktie verliert weitere 30%

Ergebnis: Auch hier ein Treffer, wenngleich sich die Aktie wieder auf den Ursprungswert von 100.000$ pro Stück wieder erholen konnte.

 These 6: Short auf Konsumaktien.

vor allem große Handelsketten, Warenhäuser, Modeunternehmen. Back to basic dürfte das Motto in 2009 sein, steigende Arbeitslosigkeit, steigende Angst, Rückbesinnung aufs Wesentliche dürften die Hauptthemen werden.

Ergebnis: Hier lag ich nicht ganz richtig, denn der erwartete Abverkauf trat nicht ein. Zwar konnten Konsumaktien wie WalMart (WMT) nicht Schritt halten mit den Indizes und waren relativ gesehen schwächer, fallen konnten sie dennoch nicht. Hier der Chart:

These 7: Weiter Turbulenzen auf den Devisenmärkten

 ich denke dass die Volatilität hier weiter enorm bleiben dürfte. Fundamental stärkste Währungen sollten der Schweizer Franken und die norwegische Krone werden. Der Euro dürfte gegenüber dem YEN weiter verlieren (Ziel < 100). Schwächste Währungen sollten aufgrund fundamentaler Hintergründe (inverste Zinsstruktur, Handelsdefizite. Demnach sollten Britischer Pfund, Australischer- und der US-Dollar schwach bleiben

Ergebnis: Naja, ob die Bewegungen nun volatil waren liegt im Auge des Betrachters. Fakt ist, der Schweizer Franken hat ggü. dem Dollar zugelegt, die norwegische Krone ebenfalls sehr deutlich. Der EUR konnte ggü. dem JPY auch zulegen (wenngleich nur schwach). Das Britische Pfund dagegen war wesentlich stärker als erwartet, ich zähle hier trotzdem insgesamt 4 von 5 Treffern. Der Chart zeigt den Franken ggü. USD:

These 8: Aktienmärkte werden neue Tiefs markieren,

evtl. sogar die Tiefs von 2002/3 unterbieten. Vorher aber rechne ich mit einem Touch des MA200 (Durchschnittskurs der vergangenen 200 Tage), vielleicht im April oder Mai. Im S&P 500 bedeutet das den Bereich von 1040-1100 Punkten, für den Dax bis ca. 5400 Punkten. Wir befinden uns nach der Ellitt’schen Wellentheorie in Welle 4, die sich durch ständige Umschwünge und einem Ringen zwischen Bullen und Bären kennzeichnet. Da die Welle 3 nur wenige Monate dauerte, rechne ich also mit einer längeren Welle 4 bevor uns Welle 5 neue Tiefs liefert. Daran können auch 0% Leitzinsen nichts ändern: Es gilt den Konsumenten zu überzeugen – nur hat der Konsument heute weniger Reallöhne und mehr Angst um seinen Arbeitsplatz. Das sind keine Idealbedingungen für weiteres Wachstum.

Ergebnis: Die Tiefs wurden zwar markiert, allerdings war der Verlauf der Märkte alles andere als erwartet. Mit einer solch enormen Gegenbewegung habe ich schlicht nicht gerechnet. Die Aktienmärkte befanden sich damals kurz vor einer Welle 5, heute sind wir am Rande des Tops der Gegenbewegung. Ich sage mal vorsichtig ein halber Treffer bei dieser These 8.

Alles in allem ein sehr ordentliches Ergebnis. Ich hoffe doch, dass der ein oder andere meiner Leser einen Nutzen ziehen konnte. Auch für 2010 werde ich meine Gedanken formulieren. Wie immer gibt’s das dann hier in Farbe und Bunt! 😉

Angenehme restliche 2009 Tage wünscht

TL!

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Responses

  1. Hallo
     
    Danke für diesen interessanten Beitrag!
    Generell würde ich es so sehen, dass man mit Edelmetallanlagen nicht
    so viel verkehrt machen kann wie etwa mit Aktien, wo es oftmals ein Glücksspiel ist, was man am Ende dabei
    rausbekommt. Auch wenn die Rendite bei Edelmetallen wie Gold oder Platin klein(er) ist – gegeben ist sie auf jeden Fall.
    Aber das ist denke ich auch ein Stückweit Geschmacks- und Persönlichkeitssache
    Grüße
    Konstantin

  2. Hallo Konstantin,
    ich weiss nicht ob man das so pauschalisieren kann. Die Spieler an den Märkten sind oft andere und das Verhalten im Detail ab und an unterschiedlich, aber letzten Endes sitzen Menschen am anderen Ende und die Schwächen bleiben die gleichen.


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