Verfasst von: turboluke | 2. August 2009

Bullenmarkt?!

In einer Analyse Anfang Juli schrieb ich, dass das technische Bild nun bearish wäre. -hier-

Muss ich nun, ziemlich genau einen Monat und 100 Punkte im SPX später, zurückrudern und meine Meinung nach einem Ritt auf der Kanonenkugel zu neuen highs revidieren? Ich sage nein und ich will kurz darlegen warum:

Werfen wir zunächst mal einen Blick auf ein etwas langfristigeres Bild:

spx_w_bb

Wie man sieht haben es bisher alle Bear-Market-Rallys nur bis zum oberen Upper-Band geschafft. Das ist mindestens beachtenswert in der kommenden Zeit. Falls ausgerechnet wieder an diesem Punkt die Kurse drehen – und dazu benötigen wir nichts weiter als eine rote Kerze in KW32 – dann erkläre ich das Ende diesen unglaublichen „dead-cat-bounce“. Andernfalls muss tatsächlich ein Bullenmarkt ausgerufen werden. Wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werde ich von da an keinen Blick mehr würdigen. 😉

Wie könnte es weiter gehen? Hier ein kurzfristigeres Bild, ich habe mit mal gestattet etwas darin rumzumalen und 3 mir vorstellbare Varianten der Kursverläufe skiziert

varianten

In den meisten Blogs, Foren und anderen Medien, die ich verfolge wird von Variante A als den kommenden Verlauf ausgegangen. Ich halte diese Variante daher für die Unwahrscheinlichste. Es spricht das unglaublich bullishe Sentiment und die fundamentalen Rahmenbedingungen, denen ich allerdings immer weniger Aufmerksamkeit widme, dagegen. Eine Vielzahl von wirtschaftlichen Indikatoren ist im Grundegenommen nichts anderes als die Folge von Börsenkursen. Wie z.B. ein IFO-Geschäftsklimaindex, der eine Stimmung widergibt, also ein nachlaufender Indikator.

Variante A muss man trotzdem im Hinterkopf behalten, weil es nach Elliott-Regeln noch möglich wäre. Sie ist anders als vermutet die bearishte aller Varianten. Die Korrekturwelle 4 wäre dann abgeschlossen und neue Tiefs im nächsten Jahr wären die Folge.

Variante B

Die bullishte aller Annahmen. Sie würde die gesamte Aufwärtsbewegung seit März zum 38% Retracement korrigieren und im Anschluss für neue Highs bis spät ins nächste Jahr sorgen. Ziele bei 1125 und mehr.

Variante C

Top am Donnerstag, 30.6. Der Nasdaq100 ist an seinem 61,8% Retracement angekommen und hat sämtliche offenen Gaps der großen Abwärtsbewegung geschlossen. Auf dem Weg zu seinem high hat er dagegen unzähliche neue Lücken aufgerissen und die werden nuneinmal auch irgendwann alle geschlossen. Die Down-Bewegung schließt alle Lücken und findet eine Unterstützung im Low bei 666

Bevor ich eine Aussage machen kann welche Variante ich bevorzuge, sollte ich vielleicht festhalten, warum ich glaube, dass wir dem Hochpunkt entweder sehr nahe sind oder ihn bereits gesehen haben:

  • Da wäre das Sentiment: SPX, NDX, COMPQ. Knapp 80% der Marktteilnehmer sind bullish
  • Fluchtmärkte: Gold mit impulsartiger Aufwärtsbewegung ende vergangener Woche
  • Bonds (TLT) mit Bodenbildung
  • US-Dollar mit Bodenbildung
  • abgeschlossener 5-Teiliger Elliott-Count vollständig

 Bond-Märkte mit Bodenbildung

Immer wenn man zur Meinung gelangt ist, dass Aktienmärkte einen Höhepunkt erreicht haben und man auf fallende Kurse spekulieren möchte, muss die folgende Frage beantwortet werden: Wohin soll das Geld fließen wenn es den Aktienmärkten entzogen wird? Da lohnt sich grundsätzlich der Blick auf den Anleihenmarkt, hier der TLT. Was wir sehen können: Während Aktienindizes in der vergangenen Woche neue Highs markieren konnten, waren die Bond-Märkte nicht in der Lage neue Lows zu generieren. Es entsteht eine relative Stärke, ein Boden. Vergangenen Freitag konnten wir sogar eine große weiße Kerze beobachten, begleitet von großem Up-Volumen. Das war der Ausbruch und meiner Ansicht nach ein klares Kaufsignal. Mit etwas Fantasie lässt sich sogar eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation einzeichnen.

tlt

Fazit

Das bevorzugte Szenario bleibt bestehen. Demnach steuern wir in Richtung 820-840 Punkten im SPX zu. Die Gefahr bleibt jedoch bestehen, dass nochmals abgedreht wird um die wichtigen Retracements zu erreichen, die zwischen 1007 und 1125 im SPX liegen. Ich habe mich bereits am Donnerstag short positioniert, denn das Wellenbild sieht abgeschlossen aus. Für klare Aussagen müssen wir uns noch etwas gedulden bis Bestätigungen angezeigt werden. Bis dato bleibt festzustellen: Wir sind in einer überhitzt bullishen Situation. Das Risiko long ist daher weitaus höher als short, was aber nicht heißen muss dass es nun direkt und in steilem Winkel abwärts geht.

Über die letzten Wochen und Monate ist ein enormer Optimismus entstanden, der in die Aufwärtsrichtung alles ermöglicht. Die Menschen hangeln sich verzweifelt an der Hoffnung, die es ermöglicht den Blick der Realität wenigstens für eine kurze Zeit vergessen zu machen. Aber: Hoffnung ist kein Fundament für nachhaltige Verbesserung. Was wir brauchen ist Vertrauen und da reicht der Blick in die Bankenlandschaft: Kredite? Fehlanzeige! Die Risiken von Ausfällen sind offenbar nach wie vor zu hoch, wie sonst lässt sich der immer weiter steigende Investmenthandel erklären?

Bleibt noch die Frage zu klären welche Variante die wahrscheinlichste ist. Da ist eine Aussage derzeit leider nicht möglich. Mein Bauchgefühl widerspricht der ersten, worauf es aber zu achten gilt ist wie immer an den entscheidenden Punkten wachsam zu bleiben und das Unmögliche anzunehmen.

Eine angenehme nächste Woche!

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