Heute morgen, als ich noch halb schlafend und nichts ahnend die Online-Präsenz des Handelsblattes aufsuchte (der Moderne Mensch von heute schlägt ja keine Zeitung mehr auf!), durfte ich einen Artikel lesen, bei dem ich alle 3 Zeilen so loslachen musste, dass ich meine Freundin aufweckte. Darüber hat sie sich so gefreut, dass gleich der ganze Sonntag Vormittag verdorben war. In diesem Artikel springt der Autor, ein Hr. Weber, über ein Thema, das merkwürdigerweise alle Börsianer bewegt: Den „Markt schlagen“. Scheint wohl ein Ur-Trieb zu sein, zeigen zu müssen wie dick die eigenen… naja, lassen wir’s. Der Autor, wohl Hobby-Börsianer und Verfechter von Buy-and-Hold schreibt darüber derart ausgelassen, dass er statt den Markt sich alle zwei Zeilen selbst schlägt. Ich möchte mal einige „Glanzpassagen“ hervorheben:
- „Börsenkurse folgen einem Zufallsprozess“
- „Angesichts der noch unsicheren konjunkturellen Situation haben sich viele über diesen starken Trend gewundert.“
- „Weltweit lehren praktisch alle Hochschulen, dass man am besten in eine Kombination aus einer sicheren und einer optimal diversifizierten riskanten Anlage investiert.“
- „Hat der Anleger sein optimales Portfolio definiert [...]„
- Nach der Bildung des optimalen Portfolios sollten Kauf und Verkauf ausschließlich aus ökonomischen Gründen wie Liquiditätsbedarf, Portfolio-Rebalancing, Änderung der Risikoeinstellung bzw. Risikotragfähigkeit und Ähnlichem erfolgen.
- Im Lichte der Buy-and-hold-Strategie ist das Leben einfach: Der Anleger braucht sich keine Gedanken über die Marktentwicklung zu machen.
- Der Volatilitätsindex des Dax, der ein Maß für die erwartete Unsicherheit darstellt
- u.s.w.
Der gute Hr. Weber meint, dass Börsenkruse einem Zufallsprozess folgen. Damit wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Tag morgen steigt oder fällt jeweils 50%. Wenn aber der heutige Tag ein negativer Tag ist, d.h. der Schlusskurs liegt unter dem Eröffnungskurs im Index, warum liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der morgige Tag steigt nun bei 58% statt 50%? Wenn dann auch noch der heutige Tag ein Montag, oder ein Donnerstag ist und gestern negativ war, warum liegt die Wahrscheinlichkeit auf einen positiven Tag gleich schon bei über 70%?.
Was hat eine konjunkturelle Situation mit Trends zu tun?? Keine Ahnung wie man überhaupt darauf kommen kann diese zwei Dinge miteinander zu verknüpfen. Ich vermute mal, das nur Fachbegriffe im Artikel gefehlt haben, die der Chefredaktuer noch sehen wollte…
Was zum Henker ist ein optimales Portfolio und was hat das Anlegen im Aktienmarkt mit Imobilien zu tun, auf die der Autor im Artikel verweist? Buy-and-Hold wäre so einfach, weil man sich nicht die Mühe machen müsse den Markt zu studieren. Nun ja, der Mann ist genau deshalb Verlierer, eben WEIL er sich keine Gedanken über die Marktentwicklung macht. Und, um es genau zu nehmen: Der Volatilitätsindex ist ein Maß für die erwartete Schwankungsbreite. Ob das Unsicherheit ist oder nicht ist reine Interpretation.
Oder hier, ein ganzer Abschnitt:
„Zu Beginn des Jahrs 2009 verfügten die Anleger über relativ viel liquides Vermögen. [Stimmt. Relativ viel weniger als 2007, TL] So wurden beispielsweise 2008 in Deutschland über 30 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgezogen, und das obwohl die Einführung der Abgeltungsteuer zum Jahresbeginn 2009 eine starke Investition in Fonds nahegelegt hätte. [Der Satz ist so dämlich, dass ich besser nichts dazu schreibe! Abgeltungssteuer als Kaufgrund, Respekt! TL] Auch die ersten drei Monate des Jahres waren durch starke Abflüsse aus Aktien- und Mischfonds gekennzeichnet, was auf den Versuch von Market-Timing hinweist. Viele Gespräche von Anlegern drehten sich angesichts des außerordentlich geringen Zinsniveaus für sichere Anlagen um die Frage, wann der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg in die Börse gekommen sei.“
Was will uns der gute Mann damit sagen? Dass es besser wäre in 2008 in Aktien geblieben zu sein, weil 2009 ja eine Erholung einsetzte? Hat er zufällig vergessen, dass in 2008 der Dax 40% abgeben durfte und heuer nur 20% zugelegt hat? dass der DAX in der Spitze bei über 8150 lag und heute bei 6000? Dann aber, und da leuchten meine Augen auf, schreibt er:
„Vielleicht existiert hier und da mal eine Strategie, die eine kleine Überrendite zumindest temporär erzielt, aber als erste Annäherung gilt: Man kann den Markt durch Market-Timing nicht schlagen.“
Natürlich! Was man selbst nicht schafft, können andere auch nicht schaffen, Basta! Hr. Weber, diese Wette nehme ich an! Ich habe seit Jahren eine „temporäre Überrendite“ vorzuweisen und werde auch 2010 eine „temporäre Überrendite“ erzielen. Durch Market-Timing. Nichts anderes. Und für Ihren Artikel - bei allem Respekt: Setzen, 6!
Ich werde von nun an einen zentralen „Market-Call“ abgeben. Buy, neutral, sell, und lasse mich gerne anhand dieser Calls am Ende des Jahres messen. Für den DAX reichts, für Hrn. Weber sowieso. Top die Wette gilt!
PS: In einem Punkt hat Hr. Weber recht. Wer, wie er, keine Strategie besitzt, und nicht messen kann wann es ein- und wann auszusteigen gilt, der hält sich am besten raus aus den Märkten. Vor seiner „Kaufen und beten“ Stragtegie möchte ich aber dringend warnen!!

















